neu aufgenommen am 9. März 2017:
1.2
Die Leitz-Camera unter besonderer Beachtung der Leica IIIc, - IIIf und  - IIIg

Eine Schraubleica ist schon etwas Besonderes. Auffällig anders, als man es von anderen Kameras her gewohnt ist, gestaltet sich z.B. das Laden eines Films, durch ihre starre, nicht abnehmbare, ja sogar fehlende Rückwand (siehe Filmhandhabung). Stattdessen haben Leicas - bis heute - einen Bodendeckel als Gehäuseverschluss.
Auch das nicht symmetrisch angeordnete Stativgewinde macht sie so anders, als andere Fotoapparate.


Leica-Modell IIIc mit Summitar, Abb. aus Emmermann, Leica-Technik

Einigen Aufschluss, warum z. B. das Kameragehäuse, die Filmführung und die Lage des Stativgewindes bei der Leica anders ist, gibt Hanns Neumann, Autor der Leica-Technik in der Ausgabe von 1951. Seine Erläuterungen habe ich nachfolgend wörtlich aufgeführt:

''Kameragehäuse
Das Gehäuse der Leica ist aus Leichtmetall gezogen. Es kann nur durch Abheben des Bodendeckels geöffnet werden, der einen staubdichten Verschluß sichert. Dadurch sind dem Benutzer die Transportorgane, der Verschluß und die Filmführung unzugänglich gemacht. Es besteht also nicht die Gefahr, daß empfindliche Teile beschädigt werden. Die starre, nicht abnehmbare Rückwand der Leica gewährleistet auch bei Dauergebrauch eine einwandfreie Lichtsicherheit und genaue Lage des Films in der Schärfenebene des Obiektives. Das ist insofern von besonderer Wichtigkeit, als schon winzige Abweichungen des Films aus der Schärfenebene die gestochene Schärfe der Negative und damit ihre Vergrößerungsfähigkeit empfindlich beeinträchtigen könnten.
Der zum Öffnen und Schließen des Bodendeckels dienende umlegbare Knebel ist in dem Deckel versenkt untergebracht. Die Leica kann daher auf ebenen Flächen aufgestellt werden, ohne daß sie umkippt. Der Bodendeckel trägt weiter das ebenfalls versenkte Stativgewinde. Es ist seitlich angebracht, so daß man für Hochaufnahmen ein Stativ mit normalem Kugelgelenk verwenden kann. Das Gehäuse der Leica ist mit zwei Ösen versehen, so daß man die Leica an einem Riemen umhängen kann.

Filmführung
Mit Rücksicht auf stärkste Vergrößerungsfähigkeit der Negative müssen an die Filmführung der Leica sehr hohe Ansprüche gestellt werden. Vor allem muß der Film im Bildfenster vollkommen eben liegen. Er liegt deshalb mit den Perforationsrändern auf geschliffenen Auflageschienen. Von der Rückseite her bringt ihn eine federnde geschliffene Andruckplatte genau in die Schärfenebene. Da der Film außerdem durch den Transportmechanismus unter einer gewissen Spannung gehalten wird, kann er nicht nach vorn oder hinten aus der Schärfenebene ausweichen.''
aus Emmermann, Leica-Technik in neuer Bearbeitung und erweitert von Hanns Neumann, 1951, S. 2ff

Zur Begründung für das am Seitenrand befindliche Stativgewinde „Es ist seitlich angebracht, so daß man für Hochaufnahmen ein Stativ mit normalem Kugelgelenk verwenden kann.“:


'Gehen mag es schon gehen', aber es sieht recht "bescheiden" aus, wenn die Kamera für Hochaufnahmen auf die falsche Seite gedreht wird (besonders dann, wenn das Stativgewinde wie bei den Leicas nicht mittig angeordnet ist ;-)).

Anmerkung: Versucht Neumann hier nicht nur aus der Not eine Tugend zu machen? 
Fototechnisch ist es jedenfalls sinnvoller, wenn sich das Stativgewinde möglichst direkt unterhalb des Objektivs befindet. 
Erst bei den digitalen Kameras hat sich Leica endlich dazu durchgerungen und diesen alten Zopf abgeschnitten. Ich hätte übrigens auch keine Einwände gegen eine normale Kamerarückwand gehabt. Solider als die ‘Blechbüchsen’ anderer Hersteller ist allerdings das massive Gehäuse der Leicas allemal! 

Doch nun zu der Leica IIIc:
Näher beschreiben möchte ich hier in erster Linie die Veränderungen und Verbesserungen im Vergleich zu ihren Vorgängern.
Die Leica IIIc wurde von 1940 an (Seriennummer 360.175) bis 1951 (Seriennummer 525.000) gefertigt. Meine Kamera, eine Leica IIIc Syn, ist aus dem Jahre 1949 und hat eine Seriennummer um 470.000.

Die Leica IIIc hat die Abmessungen 13,5 x 6,5 x 3 cm. Sie ist damit um rund 3 mm breiter als ihre Vorgänger. Ein etwas größerer, gerändelter Ring ist um den Auslöser herum angebracht worden, der für die Verwendung eines Drahtauslösers nicht mehr eigens abgeschraubt werden muss. Die Leica-Glocke* wird ja über den Auslöser gestülpt und ihr Gewinde wird dann in das Gewinde unterhalb des Auslösers gedreht.
Bedeutsamer als die vorgenannten Veränderungen sind die Verbesserungen am Gehäuse. Es besteht jetzt aus einem im Druckgussverfahren hergestellten Rahmen, der alle Teile der Mechanik aufnimmt. Dadurch, dass die Deckkappe nun nur noch aus einem Teil besteht, wird eine größerere Dichtigkeit und damit ein besserer Schutz der inneren Teile erreicht.
Neben den Verbesserungen der Kamera selbst, konnte dadurch auch der Fertigungsprozess vereinfacht werden.

Von Interesse sind sicher noch die Belichtungszeiten, die mit einer Leica IIIc möglich sind.
Die IIIc verfügt über eine lange Reihe einstellbarer Momentzeiten, die von 1 s bis zu 1/1000 s reichen.

Die Stufung der Belichtungszeiten der Leica IIIc in ihrer tatsächlichen Reihenfolge und Darstellungsweise:
T, 1, 2, 4, 30, 20, 15, 10 (Frontseite),
B, 30-1, 40, 60, 100, 200, 500, 1000 (Gehäuseoberseite)
Anmerkungen:
Die Zahl 1 bedeutet 1 Sekunde (1s). Alle anderen Werte stehen für Bruchteile von 1s, also 1/2s, 1/4s, 1/30s usw.
Die 30 auf dem Einstellrad an der Frontseite muss eingestellt sein, wenn man die Verschlusszeiten des Einstellrades der Gehäuseoberseite benutzen will. Zur besseren Kennzeichnung ist sie deshalb rot gefärbt. Auf dem Frontrad ist die 30 dann zur Sicherheit sogar arretiert. Im anderen Falle muss man die 30-1 eingestellt haben, um die langen Zeiten des Frontseitenrades einstellen zu können.
Bei der Einstellung T (T= Time) wird der Verschluss durch Drücken des Auslösers geöffnet und bleibt so lange offen, bis erneut gedrückt wird.
Bei der Einstellung B (B = engl. Ball, Merkhilfe: beliebig. Früher ist es ein Z. Das steht für Zeitaufnahme) muss man den Auslöseknopf so lange gedrückt halten, wie man belichten möchte. Direkt nach dem Loslassen schließt sich der Verschluss.

Die Leica IIIc hatte also schon fast den Zenit der Möglichkeiten einer Schraubleica erreicht. Es fehlte ihr nur noch die eingebaute Blitz-Synchronisation und ein größerer, komfortablerer Sucher, der den Entfernungsmesser anzeigen und verschiedene Brennweiten darstellen kann. Ein eingebauter Selbstauslöser wäre auch nicht zu verachten!

Die Weiterentwicklung der Schraubleicas nach der Leica IIIc, die Modelle IIIf und IIIg

Im Jahre 1950 erschien die Leica IIIf. Mit ihr gelang der Firma Leitz eine nennenswerte Verbesserung ihrer erfolgreichen Kameras. Die IIIf erhielt eine eingebaute Synchronisation für Birnchen- und Elektronenblitzgeräte. Ein Selbstauslöser wurde ab 1954 eingebaut.

1957, drei Jahre nach Erscheinen der Messsucherleica, Leica M3, brachte Leitz die Leica IIIg heraus. Sie weist eine Reihe von Verbesserungen gegenüber den älteren Gewinde-Leicas auf. Am bemerkenswertesten sind die Verbesserungen am Sucher. Der größere Sucher ist jetzt mit dem Entfernungsmesser gekuppelt. In das Sucherbild wird ein Leuchtrahmen für 50er Objektive und 4 kleine Dreiecke für 90er Objektive eingespiegelt. Die Parallaxe zwischen Sucherbild und Objektiv wird bei der Einstellung der Entfernung automatisch ausgeglichen. Die Kamera hat einen eingebauten Selbstauslöser. Die Blitzsynchronisation erfolgt in Abhängigkeit zur eingestellten Verschlusszeit. Man ist nicht mehr auf das Einstellen der richtigen Kontaktzahl, wie bei ihrem Vorgänger IIIf notwendig, angewiesen.
Äußerlich ist die Leica IIIg durch ein größeres Sucherfenster, die beiden runden Entfernungsmesserfenster und einem kleineren Fenster, dass die Leuchtrahmen aufhellt, erkennbar. Die Verschlusszeiten werden zwar noch wie bei den Vorläufern an 2 unterschiedlichen Rädern eingestellt, haben aber eine sinnvollere Einteilung als diese.

Die Belichtungszeiten bei der Leica IIIg:

T, 1 s, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30 (Frontseite),
B, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000 s (Gehäuseoberseite).

Durch Halbierung bzw. Verdoppelung, war die Einstellung der richtigen Zeit-/ Blendenkombination deutlich erleichtert.

Viele der Neuerungen bei der Schraubleica, Leica IIIg, besonders ihr spezielles Suchersystem, war eine Annäherung an den Entwicklungsstand der Messsucher-Leicas, die beginnend mit der Leica M 3, ab 1954 hergestellt wurden. Gerade die Verbesserungen am Sucher veränderten das Erscheinungsbild der IIIg gegenüber ihren Vorgängern. Diese wirkten sich auch in einer sichtbaren Vergrößerung aus.

Die Leica IIIg war die letzte der Schraub-Modelle. Es wurden keine 42.000 davon hergestellt. Ihre Produktion endete bereits 1960. Mit ihrer Einführung wollte man sicher erreichen, dass die Verbesserungen in der Entwicklung der Leicas auch den Gewindeobjektiv-Liebhabern und den Fotografen, die bereits eine Reihe von Gewindeobjektiven besaßen, zugute kommt. Aber, die Messsucherkameras waren auf dem Siegeszug: Alleine die höhere Lage des Suchers machte diesen geeigneter; wird doch das Sucherbild bei der Leica IIIg und natürlich auch bei den anderen Schraubleicas, durch die Größe des Objektivs und den Gebrauch einer Streulichtblende zuweilen deutlich eingeschränkt. Dazu kam, dass durch den mit den Messsucherkameras eingeführten Bajonettanschluss, der Objektivwechsel einfacher und schneller getätigt werden konnte.
  
Die Leica IIIc Syn ist eine Leica IIIc, die in eine Leica IIIf umgewandelt wurde
Wie auch schon früher üblich, ermöglichte es Leitz auch den Besitzern der Leica IIIc, ihre Kamera auf die erweiterten Möglichkeiten des Folgemodells, hier der Leica IIIf, umbauen zu lassen.
Meine Leica IIIc wurde zur Leica IIIc Syn, da sie irgendwann einmal mit einer Blitzsynchronisation ausgestattet wurde. Die Aktualisierung schloss auch die in den Filmtransportknopf integrierte Filmmerkscheibe der IIIf mit ein. Sie ist daher de facto eine Leica IIIf.


Leica III c Syn mit Summitar 2/50
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Leica Glocke - bei verschiedenen Schraubleicas sowie älteren Nikon-Modellen lässt sich ein Drahtauslöser nur mit diesem speziellen Adapter an die Kamera anschließen:


Leica Glocke


Öffnen einer Filmpatrone
Im Bedarfsfall lässt sich eine Filmpatrone mit einem Flaschenöffner, den man auf der dem Wickelkern abgewandten Seite ansetzt, durch vorsichtiges Hebeln sehr leicht und „sauber“ öffnen.

 Gebrauchsanleitung für Hama „Filmfix“
  1. Beide Metalllaschen in das Patronenmaul bis zum Anschlag einführen. Das kürzere Teil (A) ist dabei unten.
  2. Das längere Teil (B), wird jetzt herausgezogen, Teil A verbleibt derweil am Patronenmaul.
  3. Rückspulrad langsam in Pfeilrichtung drehen, bis ein leises Klicken hörbar ist.
  4. Rückspulrad auf den Wickelkern, der nach unten zeigt, aufsetzen und 3 Umdrehungen in Pfeilrichtung (gegen den Uhrzeigersinn ) drehen.
  5. Wickelkern der Filmpatrone mit Daumen und Zeigefinger festhalten. Griffteil B wieder an A heranschieben.
  6. Wickelkern loslassen. Filmfix langsam aus dem Patronenmaul herausziehen. Wenn der Filmanfang nun aus der Patrone herausragt, war die Prozedur erfolgreich. Ansonsten Arbeitsschritte wiederholen.
  7. Rückspulrad von dem Wickelkern abziehen und wieder in die Bohrung von Griffteil B stecken.
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Neu aufgenommen am 14.02.2014
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Der Schlitzverschluss der Leica

- Grundlegendes -


Bei einem Schlitzverschluss laufen zwei Vorhänge in direkter Folge vor dem Filmfenster ab. Je nach eingestellter Geschwindigkeit bilden sie einen mehr oder weniger breiten Schlitz der kontinuierlich den Film belichtet.  
Je langsamer die eingestellte Zeit, desto breiter ist der Schlitz und umgekehrt!
Bei den Schlitzverschlüssen der Leicas werden Vorhänge aus Gummituch verwendet, die einen sanften Ablauf garantieren.
Der Verschluss läuft in Richtung der langen Formatseite ab. Verzerrungen bewegter Objekte werden weitestgehend vermieden, wenn man die Kamera entsprechend ausrichtet:
Um Verzerrungen einzuschränken, nehme man einen Rennwagen im Querformat auf, einen vom Brett springenden Schwimmer dagegen im Hochformat.
Bei sich schnell vorbeibewegenden Objekten hilft auch ein Mitziehen, um Verzerrungen zu vermeiden (sonst werden selbst bei kurzer Belichtungszeit runde Räder zu Ellipsen, da der Schlitz des Verschlusses gut 1/50s an Zeit für seinen gesamten Ablauf braucht).

Hilfreich ist auch das Beachten der Bewegungsrichtung: Schräg verlaufende Bewegungen führen grundsätzlich zu geringerer Bewegungsunschärfe, als quer zur Aufnahmeachse verlaufende.

Wenn man den Aufzugsknopf in Pfeilrichtung dreht, wird sowohl der Film weiter transportiert, als auch der Verschluss gespannt.
Der Verschluss sollte immer gespannt sein, um bei geladener Kamera stets fotografierbereit zu sein. Man braucht sich keine unnötigen Gedanken darüber machen, dass die Aufzugsfeder an Spannkraft verliert - sie hat genügend „Elastizitäts-Reserven“!
Ja, es gilt sogar als erwiesen, dass man mit aufgezogenem Verschluss auch dem Gummituch Gutes tut. Die Verschluss-Rollos beim gespannten Verschluss sind weniger eng aufgerollt, so dass es im Laufe der Zeit weniger leicht zu Brüchen im Gummituch kommen kann.


Die Belichtungszeit wird bei aufgezogenem Verschluss abgelesen und auch eingestellt.

- Verschlusszeitenreihe -

Die Leicas ab Modell Leica III verfügen anders als frühere Leicamodelle, die sich mit den Zeiten 1/20 - 1/500s begnügen mussten, über eine lange Reihe von Verschlusszeiten. Sie gehen von 1s bis zur 1/1000s.

Der Einstellknopf für die langen Zeiten befindet sich an der Vorderseite. Nur die Modelle, die diesen vorderen Knopf haben, verfügen auch über lange Verschlusszeiten!
Auch bei den Kameras ohne lange Verschlusszeiten sind Zeitaufnahmen (über Z) möglich.

Bei der Leica IIIc hat die Verschlusszeitenreihe die folgenden Werte (s):

T - 1 - 1/2 - 1/4 - 1/10 - 1/15 - 1/20 - B - 1/30 - 1/40 - 1/60 - 1/100 - 1/200 - 1/500 - 1/1000

T = Time (in der Abbildung nicht sichtbar) steht dafür, dass sich nach dem Auslösen der Verschluss öffnet und so lange offen bleibt, bis erneut gedrückt wird. Das macht Sinn bei Aufnahmen am Mikroskop, Aufnahmen von Feuerwerk etc.

B = Ball (bei früheren Modellen Z = Zeit). Der Verschluss bleibt so lange geöffnet, wie der Auslöser niedergedrückt wird. Zum verwacklungsfreien Auslösen verwendet man einen pneumatischen Auslöser, bei dem durch Zusammendrücken eines Gummiballs über einen damit verbundenen Schlauch ein Stift herausgedrückt wird, der den Auslöser betätigt.
Als Merkhilfe für B hat sich im deutschen auch beliebig eingebürgert. Manche meinen auch B käme von Bulb (Knolle, Birne).

Die Einstellung B wird für Langzeitaufnahmen wie Nachtaufnahmen etc. benutzt.
Man drückt den Drahtauslöser und hält ihn gedrückt und zählt dabei die Sekunden in Fotografenmanier: Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig... bis die Zeit stimmt. Dann lässt man den Auslöser los und der Verschluss schließt sich!

Bei den Langzeiten von T und B werden neben pneumatischen Auslösern vor allem (möglichst lange) Drahtauslöser verwendet. Zur Vermeidung von Erschütterungen über den Drahtauslöser sorgt man dafür, dass sich der Drahtauslöser-Zug wie ein langes, liegendes S formt.

- Zwischenzeiten -

Auf dem Kurzzeitenrad der Leica IIIc (oberes Zeitenrad, das sich beim Verschlussablauf mitdreht) findet man die Gravuren
B - 30-1 - 40 - 60 - 100 - 200 - 500 - 1000.

Kurzzeitrad

Hier rasten nur festgelegte Zeiten ein. Es sind keine Zwischenwerte einstellbar!

Auf dem Langzeitknopf (vorderes Zeitenrad, was unbewegt bleibt) der Leica IIIc findet man die Gravuren
T - 1 - 2 - 4 - 30 - 20 - 15 - 10.

Langzeitknopf

Außer bei der 30 = 1/30s keine einrastenden Werte. Es sind beliebige Zwischenwerte nutzbar!

Die langen Zeiten sind nur dann aktivierbar, wenn auf dem Kurzzeitknopf die rot eingefärbte Verschlusszahl mit dem Index -1 eingerastet ist. Bei der Leica IIIc ist es die 30-1. Dann sind alle Zeiten von 1s - 1/30s verwendbar und natürlich auch Zeitaufnahmen mit T.

Beispiele für das Einstellen von Zwischenwerten

(1) 1 = 1s. 2 = 1/2s.

Einstellung dazwischen ist gem. Bruchrechnung: (2/2 + 1/2) : 2 = 3/2x2 = 3/4 s.

(2) 10 = 1/10. 15 = 1/15.

Zwischenwert: (1/10 + 1/15) = (3/30 + 2/30) : 2 = 5/30x2 = 5/60 = 1/12s.

In wieweit das Einstellen von Zwischenwerten (bei den längeren Zeiten) überhaupt einen Sinn macht, ist fraglich. Die geringen Unterschiede gehen im Belichtungsspielraum eines Films unter!

letzte Erweiterung: Mai 2013
Literaturangabe

Theo Kisselbach, Das Leica-Buch, 1. - 10. Tausend, 1955
Theo Kisselbach, Das Leica-Buch, 32. - 36. Tausend, 1965
Theo Kisselbach, Kleines Leica-Buch, 1952
Dennis Laney, Leica Cameras Zubehör, 1984
Brian Tompkins/F.W. Rüttinger, Leica Cameras Pocket Book, 1984
Dennis Laney/Erwin Puts, Leica Taschenbuch, 7. Auflage
Fritz Vith, Leica Handbuch Großausgabe, 33. - 37. Tausend,  Wetzlar 1941
Günter Osterloh, Leica M, Ausgaben 1990 u. 2002
Emmermann/Neumann, Leica-Technik, 67. - 74. Tausend, 1951
Werner Wurst, Exakta Kleinbild-Fotografie,  2. Auflage, Halle 1953
Heinrich Freytag, Knaurs Foto- und Filmbuch, 1955
Gert Lindner, Wir fotografieren, 1958
Herbert Graewe, Die physikalischen u. chemischen Grundlagen d. Photographie, 1973
Adrian Bircher, Belichtungsmessung - korrekt messen richtig belichten, 2002
Alexander Spoerl, Mit der Kamera auf Du und Vergrößern eine Kleinigkeit, 1972
Dr. Walter Heering, Rolleiflex-Buch, 66. - 75. Tausend, 1951
Dr. Walter Heering (Herausg.), Photo Magazin, Ausgaben 1949 - 1959
Fr. Willy Frerk (Herausg.), Photofreund Jahrbuch 1929/30


Impressum

Karl Schmidt
Hammerweg 20
65589 Hadamar

Kontakt:

Telefon: 06433 943897
E-Mail: kalleleica@googlemail.com
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Aufnahme- und Belichtungstipps

Ich erspare es mir, hier Tipps für Motive zu geben, denn der Fotofreund, der diese Zeilen liest, hat sicher einen Blick für gute Motive. Außerdem gibt es dafür einschlägige Literatur und genügend Beispiele in den Fotografie-Foren.Nur für den Fall, dass das eine oder andere an Kenntnissen und Lösungswegen fehlt, dies mit einer so alten Kamera technisch umzusetzen, dazu mögen meine Erörterungen dienen.

Zunächst Grundsätzliches zur Schraubleica:
Sie ist vielseitig verwendbar mit den Möglichkeiten, die ihr reichhaltiges Zubehör bietet.

Ein paar Worte zur Arbeitsweise beim Schwarzweißfilm:
Mit dem beinahe totalen Durchbruch des Farbfilms ist der Schwarzweißfilm der Film für den Kenner und den Könner geworden. Man fotografiert nicht in Schwarzweiß, weil man sich Farbe nicht leisten kann sondern weil man die grafische Wirkung besonders schätzt und gezielt einsetzen will. Vielleicht auch, wie von mir schon oben angedeutet deshalb, weil man den gesamten Weg einschließlich den der Laborarbeit, leicht mit eigenen Hände bewerkstelligen kann.
Aber Vorsicht: „Schöne Bilder“ gelingen mit Farbe leichter als mit SW-Film!

Schwarzweiß ist nicht einfach nur das Fehlen von Farbe, SW ist „eine Abstraktion der Wirklichkeit“ (Scheerer, Leica und Leica-System). Die Farben werden in Graustufen umgewandelt und dabei erscheinen z.B. Grün und Rot praktisch als gleiche Grauwerte. Das Blau des Himmels wird beinahe zu Weiß und hinterlässt ohne Farbfilter fast keine Spuren auf dem Positiv (siehe dazu meine Bilder und Bemerkungen unter dem Punkt „Filter“!).

 Leica IIIc; Summitar 2,0/50; f:5,6; 1/100; Grünfilter; Kodak BW400CN, Prozess C-41; Scan vom Negativ
 Streifen auf dem Beresacker

Die optimale Blende eines Objektivs 
Sonne lacht, dann mal raus mit der Kamera, aber nicht unbedingt die Blende 8!
Eine Faustformel:  Die höchste Leistung eines Objektivs ist in etwa dann erreicht, wenn man es um 2 Stufen abblendet. Deutlich weiteres Abblenden führt dann wieder zu schwächerer Leistung durch Beugungsunschärfe.
Das bedeutet für das Summitar 2,0/50, es ist ab f:4 in Höchstform. Beim Summaron 3,5/35 wäre die optimale Blende f:5,6 - 8. Blende 5,6 wird für dieses Summaron als Optimum im Leica-Taschenbuch, Laney/Puts, genannt.

Natürlich gibt es Gründe von diesem Blendenoptimum abzuweichen. Sei es, dass man ein Objekt durch Eingrenzen der Schärfentiefe „freistellen“ möchte, dazu muss die Blende weit geöffnet werden. Braucht man große Schärfentiefe, z.B. bei Nah- oder Landschaftsaufnahmen, dann muss man über die optimale Blende hinaus abblenden.
Doch keine Angst: erst beim Erreichen der Grenzen (etwa bei der maximalen Blendenzahl des Leica-Objektivs) wirken sich allmählich Beugungsverluste aus.
 

Zu lang bemessene Belichtungszeiten sind Hauptursache von Unschärfe 
Gemeint ist hier zunächst nicht die Bewegungsunschärfe durch das Objekt sondern die Unschärfe durch das „Verreißen“ der Kamera durch den Fotografen.
Persönliche Befindlichkeiten wie schlechte Kamera- und Körperhaltung, ist er allgemein etwas „zittrig“, gerade
etwas außer Puste etc. und  anderes wie Gewicht der Ausrüstung, Windstärke, fester oder beweglicher Standort, nimmt natürlich auch Einfluss. Die Schraubleica selbst ist durch den fehlenden Spiegelschlag weitgehend unschuldig an „verwischten“ Aufnahmen!

Eine Faustformel hilft auch hier wieder etwas weiter:  
1 geteilt durch die Brennweite in Sekunden sollte man als längste Freihandzeit wählen, um Unschärfen durch Verreißen zu vermeiden. Beim 35er ist das ca. 1/30s, beim 50er 1/50s.
Um Bewegungsunschärfe durch das Objekt zu vermeiden gibt es umfangreiche Tabellen mit Mindesbelichtungszeiten.
Doch ein paar Tipps dazu: Für scharfe Aufnahmen bei Auto- und Motorradrennen reicht auch die 1/1000s der Leica alleine nicht aus. Doch es gibt ja Kurven, in denen grundsätzlich die Geschwindigkeit abgesenkt wird.
Die Geschwindigkeit wird auch abgesenkt, wenn das Objekt auf einem zukommt oder sich von einem entfernt. Ja sogar ein in schräger Richtung aufgenommenes schnelles Objekt senkt die zuträgliche Geschwindigkeit ab.
Durch Mitziehen erreicht man besonders vorteilhafte Aufnahmebedingungen: Man bewegt dazu die Kamera mit, indem man das Fahrzeug in der Mitte des Suchers behält und währendessen auslöst.
Auf diese Weise erreicht man eine scharfe Abbildung der Hauptsache, während beispielsweise die Zuschauer verwischt erscheinen, was das Geschwindigkeitsempfinden noch steigert!
Grundsätzlich stellt man vorher alles an der Kamera ein. Auch die eingestellte Entfernung muss für das zu erwartende Objekt ausgelegt sein.
 
Wenn man die Belichtungszeit verkürzt, muss man natürlich die Blende entsprechend weiter öffnen. 
Immer daran denken: für die hohe Lichtstärke hat man ja einmal viel bezahlt, und eigentlich sind alle Leica-Objektive „offenblendetauglich“!
Also ohne Sorge bei Bedarf die Blende öffnen!
 
Ein paar Tipps zum richtigen Messen mit dem Handbelichtungsmesser - vornehmlich für SW:
Wenn die Sonne lacht, ... dann sollte man gar nicht um jeden Preis heraus mit der Kamera, denn der strahlend blaue Himmel mit den weißen Wolken bringt nicht wirklich die Ergebnisse, die man gerne hätte. 
Je eigenwilliger und dramatischer der Himmel ist, desto eher entstehen Aufnahmen, an denen man Freude hat.
Leica IIIc Sync, Summaron 3,5/35; f:5.6; 1/100, Grünfilter, Kodak 100 Tmax, Scan vom Negativ
Herrenhaus des ehemaligen Gut Blumenrod, Limburg-Linter, einsetzender Regen

Doch je ansprechender die Beleuchtungssituation, desto größer sind die Probleme bei der Ermittlung der richtigen Belichtungswerte. Trotz aller Toleranzen ist auch in der SW-Fotografie ein optimal belichtes und optimal entwickeltes Negativ Voraussetzung für eine technisch zufriedenstellende Vergrößerung, für einen zufriedenstellenden Scan. Dazu bedarf es eines Belichtungsmessers!
 
Ein Film wurde richtig belichtet, wenn das Negativ den gesamten Tonwertumfang des Motivs abbildet - vom bildwichtigen tiefen Schatten bis zu den bildwichtigen Spitzlichtern. Beim SW-Film sollte man im Zweifelsfalle auf die Schatten belichten und daher diese ausmessen!

Der Vorteil des Handbelichtungsmessers liegt zum einen darin, dass man ihn für verschiedene Kameras einsetzen kann, zum anderen kann man mit ihm - wie oben schon bei der Beschreibung der Möglichkeiten meines Sixtomats erwähnt - gleichermaßen Objekt- wie auch Lichtmessungen vornehmen.
 

- Objektmessung
Die Belichtungsmessung vom Ort der Kamera aus bezeichnet man als Objektmessung. Der Messwinkel eines Selen-Belichtungsmessers entspricht in der Regel dem Bildwinkel eines Normalobjektivs, ca. 40°. Das ist der richtige Messwinkel, um die Gesamthelligkeit des Bildes zu erfassen - Integralmessung!

- Messen bildwichtiger Teile - Nahmessung - Ersatzmessung
Benutzt man jedoch ein Tele- oder ein Weitwinkelobjektiv, decken sich Mess- und Bildwinkel dagegen nicht mehr.
Beim Weitwinkelobjetiv tut man gut daran, den Beli auf den bildwichtigen Teil des Motivs zu halten, ggf. verschiedene Messungen vornehmen und mitteln.
Beim Tele erreicht man eine passende Messung, indem man mit dem Gerät näher an das Objekt herangeht. Ist das nicht möglich, so versucht man eine Ersatzmessung vorzunehmen. Bei einer Portraitaufnahme ist das geeignete Ersatzobjekt der Handrücken der eigenen Hand, vorausgesetzt, er erhält gleiches Licht wie das Portrait.
Als Ersatzobjekt kann auch eine Neutral-Graukarte (18% Reflexion) oder auch heller Asphalt dienen. Ja selbst ein weißes Papierblatt ist hier von Nutzen. Man muss nur den Messwert korrigieren, indem man die Blende um 1 1/2 - 2 Stufen öffnet oder die Belichtungszeit im gleichen Maße verlängert!

- Lichtmessung 
Bei vielen vollwertigen Handbelichtungsmessern lässt sich entweder durch Aufsetzen einer Opalscheibe, einer weißen Kalotte oder - wie beim Sixtomat - durch Vorschalten eines Rollos - eine Lichtmessung vornehmen. Hierbei zielt man mit dem Belichtungsmesser aus Richtung des Objekts zur Kamera und ermittelt so genau das Licht, was auf den Gegenstand trifft!
Dazu muss man nicht unbedingt zum Objekt hinlaufen, entweder weil es zu weit entfernt ist oder auch, weil es nicht geraten erscheint, z.B. ein Raubtiergehege zu betreten, auch für eine "anständige" Lichtmessung nicht!
Halte den Beli umgedreht, aber natürlich mit geschlossenem Rollo, in der Richtung Objekt-Kamera hin und lies die Werte ab. Das geht natürlich nur, wenn Fotograf und Objekt sichtlich gleich beleuchtet werden!

Ich halte die Lichtmessung für die beste Methode, gerade in prekären Lichtsituationen und setze sie ein, wenn ein Motiv hohe Kontraste aufweist. Damit ist nicht nur der Schornsteinfeger vor dem weißen Himmel oder die Braut im weißen Kleid vor einem Kohlehaufen gemeint sondern ganz Alltägliches wie Aufnahmen im Gegenlicht oder im Schnee.


Zum Abschluss noch ein paar Tipps 

Beim Messen den Beli etwas neigen, damit man nicht nur den Himmel misst. Auch das Abschatten mit der Hand gegen den Himmel hilft, um zu genaueren Messergebnissen zu kommen, besonders bei Gegenlicht.
Nicht nur aus dem Schatten heraus die Belichtung messen sondern auch aus dem Schatten heraus fotografieren. Es ist meistens ein Baumschatten oder ähnliches zu finden. Das führt zu richtig belichteten, kontrastreichen Fotos!

Für durchwegs dunkle Motive empfiehlt es sich klapper (-1/3 bis -1/2 Stufe) zu belichten, als es der Beli anzeigt.
Bei durchwegs hellen Motiven, z.B. am Wasser, am Sandstrand oder im Schnee, ist es genau umgekehrt. Hier sollte man ruhig 1/2 bis 1 Blendestufe zugeben (Blende weiter öffnen oder Zeit verlängern).

Egal, wie man die richtige Belichtung ermittelt, eines wird schnell klar: bei hohen Filmempfindlichkeiten und lichtstarken Objektiven kommt man recht schnell an die Grenzen einer Kamera, deren kürzeste Zeit die 1/1000s ist. Gäbe es sonst keinen Grund für die Verwendung eines (Farb-)Filters, so ist er hier schon deshalb angebracht, weil er Licht schluckt. Anderenfalls muss man mit recht hohen Blendenzahlen arbeiten - Freistellen perdu, Beugungsunschärfe im Anmarsch - oder man setzt ein Neutralgrau-Filter ein!


Öffnen einer Filmpatrone
Im Bedarfsfall lässt sich eine Filmpatrone mit einem Flaschenöffne, den man auf der dem Wickelkern abgewandten Seite ansetzt, durch vorsichtiges Hebeln sehr leicht und „sauber“ öffnen.


 Gebrauchsanleitung für Hama „Filmfix“
  1. Rückspulrad auf den Wickelkern, der nach unten zeigt, aufsetzen und 3 Umdrehungen in Pfeilrichtung (gegen den Uhrzeigersinn ) drehen.
  2. Beide Metalllaschen in das Patronenmaul bis zum Anschlag einführen. Das kürzere Teil (A) ist dabei unten.
  3. Das längere Teil (B), wird jetzt herausgezogen, Teil A verbleibt derweil am Patronenmaul.
  4. Rückspulrad langsam in Pfeilrichtung drehen, bis ein leises Klicken hörbar ist.
  5. Wickelkern der Filmpatrone mit Daumen und Zeigefinger festhalten. Griffteil B wieder an A heranschieben.
  6. Wickelkern loslassen. Filmfix langsam aus dem Patronenmaul herausziehen. Wenn der Filmanfang nun aus der Patrone herausragt, war die Prozedur erfolgreich. Ansonsten Arbeitsschritte wiederholen.
  7. Rückspulrad von dem Wickelkern abziehen und wieder in die Bohrung von Griffteil B stecken.
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7.2
Belichtungsmesser

- Optische Belichtungsmesser
Das Einstellen der Kamera mit Hilfe der Tabellen und selbst der Belichtungsuhren setzte schon ein zeitaufwändiges Nachschauen, Umrechnen und Übertragen der Werte voraus. Den Tabellen folgten daher recht bald chemische und optische „Belichtungsmesser“. Bei den optischen Belichtungsmessern erfolgt die Beobachtung des Motivs durch einen verstellbaren Graukeil. 
Einer der wohl bekanntesten und verbreitetsten Vertreter der optischen Belichtungsmesser war der Diaphot mit einem prägnanten Firmenzeichen, dem  Ica-Stern im Zentrum. Dieser "Rundkeil"-Belichtungsmesser wurde 1921 von der Firma Ica erstmals angeboten und auch nach dem Zusammenschluss mit anderen zur Zeiss Ikon AG bis etwa 1935 weitergebaut.
Optischer Belichtungsmesser Diaphot (aus eigener Sammlung)

 - echte Belichtungsmesser:
Photoelektrische Belichtungsmesser
Den Durchbruch in der Genauigkeit der Belichtungsmessung brachten schon in den dreißiger Jahren des 20. Jh. die fotoelektrischen Belichtungsmesser. Sie werden nicht deshalb „elektrisch“ genannt, weil sie Strom, etwa den einer Batterie benötigen sondern weil sie Lichtenergie in elektrische Energie umgewandeln.

Die Selen-Belichtungsmesser, das sind gerade die, die keine Batterie benötigen, haben eine Photozelle, die bei Bestrahlung mit Licht Elektronen aussendet. Dieser Strom wird auf ein empfindliches Spulenmessgerät, ein Galvanometer, übertragen und führt zu einem mehr oder weniger starken Zeigerausschlag. Da hier das Licht selbst Verursacher des Messergebnisses ist, sind sie als „echte“ Belichtungsmesser zu bezeichnen!
...Mein Sixtomat ist ein Selen-Belichtungsmesser und braucht keine Batterie!
Der Gossen-Sixtomat ist als Belichtungsmesser wie auch die Leica „von Adel“. Im Photo-Magazin der 1950er Jahre ist er zumindest was die Werbung anbelangt neben Rolleiflex und Schraubleica „dauerpräsent“.

...Mein Sixtomat ist wie meine Leica von Adel!

Zunächst war der Sixtomat ein recht normaler Belichtungsmesser, doch im Jahre 1951 wurde er als ein Gerät der 2 Möglichkeiten beworben. Die OBJEKTMESSUNG wurde durch die LICHTMESSUNG ergänzt: 
„Mit der zusätzlichen Kennzeichnung „i“ hat die Firma P. Gossen & Co, Erlangen, einen Belichtungsmesser geschaffen, der sowohl zur Objektmessung in der bisherigen Weise, wie auch zur direkten Lichtmessung benutzt werden kann... Dazu wird das Rollo, das bei dem neuen Sixtomaten ein Transparentrollo ist, bis zu einer entsprechenden Marke geschlossen und gegen die Lichtquelle gehalten. 
Der Zeiger gibt nun die Helligkeit des einfallenden Lichts an. Von dieser „Incidenzmessung“ rührt die Kennzeichnung des aus weißem Kunststoff gefertigten Sixtomat „i“ her.“
aus: Ein neuer Sixtomat, Photo-Magazin 1951/5/58.

Im Jahr 1954 führte Gossen den Sixtomat x 3 „mit den dreifachen Möglichkeiten" ein:
1. Objektmessung, 2. Lichtmessung und  „3. richtige Beleuchtung durch Messung der Farbtemperatur, d.h. der ‘Lichtfarbe’.  
... Neu am Sixtomat x 3 ist in dieser Hinsicht lediglich neben der bisher üblichen Belichtungsreihe - nämlich 1 ´2 ´5 ´10 ´25 ´100 ´250 - auch die neuerdings auf dem Markt erscheinende Belichtungszeitreihe 1 ´2 ´4 ´8 ´15 ´30 ´60 ´125 ´250, welche ihren hauptsächlichen Vertreter in dem neuen Deckel-Synchro-Compur-Verschluss hat.“ 
aus: Mitteilungen der Industrie, Sixtomat x 3, Photo-Magazin 1954/5/77.

Dieser Sixtomat hat jetzt ein elfenbeinfarbiges Gehäuse und alle goldfarbenen Teile einschließlich der schönen ‘Schlangenkette’ sind echt vergoldet. Adel ‘par excellence’, Adel pur!

...Mein Sixtomat ist so goldig: Er kann Objektmessung, Lichtmessung und kennt die Lichtfarbe!

Mein Sixtomat ist ein „x 3“ und durch Gold geadelt

Nachteile der Selen-Belichtungsmesser:
Über die Messgenauigkeit kann man nicht meckern, doch wo viel Licht, da ist auch Schatten:
Die Ansprechempfindlichkeit’ der Selen-Belichtungsmesser ist eher schwach.
Der Vorteil, dass ein solcher Beli keine Batterie benötigt, bringt leider auch entscheidende Nachteile mit sich:
Da die Ströme, die erzeugt werden, sehr gering sind, kommen nur empfindlichste Drehspulkomponenten zum Einsatz, die mechanisch sehr anfällig sind (Bei mir haben schon 2 von ihnen den Geist aufgegeben, weil sie mir mal unglücklich aus der Hand gefallen sind).
Durch die großen „Wabenlinsenfenster“, die der Lichtverstärkung dienen, ist der Messwinkel recht ungenau abgegrenzt und lässt daher nicht so präzise Messungen zu.
Dazu kommt die nachlassende Allgemeinempfindlichkeit durch eine zunehmende Alterung des Photo-Elements.

...Mein Sixtomat von 1955 misst noch so spritzig jung, wird aber einmal früh altern,...
wenn er mir nicht vorher aus der Hand fällt!

In den frühen 1930er Jahren haben viele Firmen Zubehör zur Leica hergestellt und natürlich gehörten auch Belichtungsmesser dazu, die für die Verschlusszeiten und Blenden der Leica kalibriert waren.
 "Diese Geräte trugen auch 'Leica' als Teil ihrer Modellbezeichnung . Ob dies mit oder ohne Zustimmung von Leitz erfolgte, ist heute schwer festzustellen. Beispiele sind der 'Leicascop'-Belichtungsmesser mit Graukeil und das Weston-'Leicameter' Modell 627, im Katalog 1934 (Leitz New York, Broschüre Nr. 1206, M-134-G)."
aus: Dennis Laney, Leica Cameras Zubehör

Bei Leitz war man lange der Meinung, dass eingebaute Belichtungsmesser erstens die Kamera zu groß werden ließen und vor allem durch ihren Mangel an Robustheit dem Ruf der Firma eher schaden als nutzen könnten. Man arbeitete aber eng mit der Firma Metrawatt, Nürnberg zusammen, wenn diese Geräte auch vor Erscheinen der M zumindest nicht im europäischen Katalog aufgenommen wurden.
vergl. Dennis Laney, Leica Cameras Zubehör

Das nachfolgend abgebildete Gerät hat einen Zubehörschuh für ein Verstärkerelement. Es wurde in die Zubehörklemme eingeschoben, ist aber nicht wie die Leicameter für M-Kameras mit dem Verschlusszeitenknopf kuppelbar.
Reklame aus dem Photo-Magazin, Juni 1951

Bei Zeiss-Ikon machte man sich bezüglich des Größenzuwachses nach Einbau eines (Selen-) Belichtungsmessers in eine Contax weniger Gedanken (weder 1951 bei der Contax IIIa wie noch später beim Bau der Contarex).

Wer jedoch die Contax IIa (ohne eingebauten Beli) mit der Contax IIIa vergleicht, der wird erkennen, wie diese Kamera an „Masse“ zugenommen hat. Ich finde, sie wurde unförmig

vorne: Contax IIa, hinten Contax IIIa

Von der "Klasse" eines Selen-Belichtungsmessers bezüglich seiner Widerstandsfähigkeit ist man auch bei Zeiss nicht ganz so überzeugt, meinte aber:

„Erfahrungsgemäß wird eine Kamera viel schonender behandelt als ein einzelnes Zubehörstück. So ist auch der in die Kamera eingebaute Belichtungsmesser bei der Contax IIIa besser geschützt als ein Belichtungsmesser, der gesondert mitgeführt wird. Außerdem ist der Belichtungsmesser immer zur Hand, wenn er gebracht wird. Man kann ihn nie vergessen.
aus: Mitteilungen der Industrie, Contax IIIa, Photo-Magazin 1951/6/58.

Fazit


Wer ein so wichtiges Gerät wie den Belichtungsmesser bei einer Fototour vergisst, dem ist nicht zu helfen.
Gut, dass die Firma Leitz 1949 keinen Belichtungsmesser in die Leica IIIc eingebaut hat, er wäre heute, wenn nicht ohnehin defekt (Nachlassen der Genauigkeit durch Alterung oder sein Galvanometer wäre vielleicht mechanisch zerstört) so doch, trotz allem Sinn für Nostalgie, technisch hoffnungslos veraltet.
Gleiches gilt für meine M2. Ich besitze dafür sowohl den Leicameter MC (Selen), als auch einen Leicameter MR-4 (Cds*). Den MC, der ungenau arbeitete bzw. kaum noch ausschlug, ließ ich vor beinahe 20 Jahren wieder herrichten. So richtig überzeugt hat er mich danach auch nicht. Anders verhält es sich mit dem Leicameter MR-4. Der arbeitet(e) auch heute noch tadellos, wenn nur nicht die leidige Sache mit den nicht mehr erhältlichen quecksilberhaltigen Batterien wäre.

Bei einem „aufgeflanschten“ Beli wäre der gerade für die Leica IIIc so wichtige Zubehörschuh dauerhaft besetzt. Wohin dann bloß mit dem Universalsucher?
Auch bin ich froh, beide Kameras wenigstens zeitweise ohne klobigen aufgesetzten bzw. eingebauten Belichtungsmesser benutzen zu können, um die Belichtung dann elegant „aus der la Maingg“ mit einem Handbeli zu erfassen!
Wenn ich auch mit meinem Sixtomat (so er mir nicht aus der Hand fällt) noch eine ganze Weile gut zurechtkomme, finde ich es doch beruhigend, ihn jederzeit durch einen anderen ersetzen zu können, wenn ich mit seinen Leistungen mal nicht mehr zufrieden bin. Die Kameras bleiben davon unberührt!
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* Beim Cds-Belichtungsmesser (das ist der mit einem Cadmium-Sulfit-Photowiderstand) und später dann beim Einsatz der Silizium-Fotodiode, wird eine Stromquelle gebraucht, denn hier wird kein Strom erzeugt sondern in beiden Fällen verändert Lichteinfall den Widerstand der Bauteile. 

Der für die „Messung“ benötigte Strom muss durch eine Batterie von außen zugeführt werden.

Beide Typen haben gegenüber dem batterielosen Selen-Belichtungsmesser Vorteile in puncto Robustheit, Genauigkeit und Größe.
Ein Beli mit Siliziumdiode kann sogar aufgrund der ‘ultraschnellen’ Anzeigegeschwindigkeit, wie sagte man nochmal zur Zeit von Emmermann zum Elektronenblitz, Ultrablitze erfassen und ist im Falle einer TTL-Automatik dann noch zeitmäßig in der Lage, den Ablauf eines Verschlusses zu korrigieren!


7.1
Die richtige Belichtung

- ohne Belichtungsmesser

 Belichtung schätzen 
Als ich bei einem Ausflug einen Kollegen mit einer alten Voigtländer hantieren sah, von der ich wusste, dass sie keinen eingebauten  Belichtungsmesser hat, wunderte ich mich, dass er keinen Handbelichtungsmesser verwendete. Ich wollte ihm die Werte durchgeben, die meine Kamera anzeigte, doch er winkte selbstbewusst mit der Bemerkung ab: „Das weiß man doch so!“
Ich war gespannt auf die Ergebnisse. Ein paar Tage später brachte er Farbbilder mit, die belichtungstechnisch einen ganz passablen Eindruck machten.
Klar, dass er nur die gelungenen Bilder vorzeigte, doch in der Tat kann man mit etwas Übung recht treffend die richtigen Belichtungswerte schätzen. Die heutigen Farbfilme, die anders als Diafilme eine gewisse Toleranz gegenüber einer mäßigen Fehlbelichtung aufweisen, „schlucken“ auch einiges. Dazu kommt die Fähigkeit eines modernen Printers, der dazu beiträgt, dass die Bilder zum großen Teil etwas werden.

Erfahrungswerte
"Sonne lacht - Blende 8!" 
Diese alte Fotografenweisheit stammt aus einer Zeit, in der vornehmlich mit dem noch geduldigeren Schwarzweißfilm fotografiert wurde. Der vertrug zwar keine krasse Unterbelichtung, aber 3 Stufen Überbelichtung konnte er schon verkraften.
Die Belichtung mit Blende 8 bei einer 1/125 Sekunde war für einen Film mit der damals üblichen Empfindlichkeit von ca.17 DIN der Standardwert für Aufnahmen bei Sonnenlicht!

Oder lässt es sich vielleicht doch besser mit der “Sonne-16-Regel” arbeiten?

Bei letzterer geht man davon aus, dass bei schönem Sonnenschein und Blende 16 die richtige Verschlusszeit jene ist, die dem Kehrwert der Filmempfindlichkeit entspricht. Bei einem 400-ASA-Film wäre dann bei Blende 16 eine Belichtungszeit von 1/400s richtig. Da man aber bei einer manuellen Kameras keine 1/400 einstellen kann, wird gerundet: man nimmt den nächst kürzeren Wert also 1/500 usw.
Das kann man dann herunterrechnen: bei Blende 8 wäre dann eine Verschlusszeit  von 1/1000s relevant usw.




Welche der beiden Regeln ist denn nun die „bessere“, die praktikablere?
Im Grunde sind beide "Belichtungsweisheiten" in einem ähnlichen Grade 'brauchbar', nur hat die “Sonne-16-Regel” die Nase einen Tick voraus, weil hier neben Sonne und Blende auch die Parameter ISO (ASA) und die Belichtungszeit ausdrücklich genannt werden!

Belichtungstipps der Filmhersteller
Die Filmhersteller geben Belichtungsempfehlungen für die Verwendung ihres Films. Sie sind entweder als Zettel beigepackt oder im Inneren der Packung aufgedruckt

Schachtelaufdruck beim Farbfilm Konica Centuria Super 200

Während Bildchen 1 Belichtungshinweise für die klare Luft an Gebirge und See gibt, erkennt man bei genauerem Hinschauen beim 2. Bildchen die beiden obigen Regeln wieder:

    „Sonne lacht, Blende 8“        => für ISO 200/24°: f:8, 1/1000 = f:11, 1/500.
    „Blende-16-Regel“               => für ISO 200/24°: f:16, 1/200“ ~ f:11, 1/500.

Fazit:
Da ihm die Erfahrungen der „alten Hasen“ zugrunde liegen, kann man die Belichtungstipps des Herstellers als eine gut geeignete „Schätzhilfe“ bezeichnen!

Belichtungstabellen
Vorläufer der "Herstellerempfehlungen" waren umfangreiche Belichtungstabellen für die unterschiedlichsten Aufnahmesituationen. Sie existierten schon in der Frühzeit der Fotografie. Man musste sie entweder auswendig beherrschen oder doch zumindest dabeihaben, um sich von Zeit zu Zeit damit schlau machen zu können.

In den 1950er Jahren, zu einer Zeit also, wo so gut wie keine Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser aufwies und nur ein kleiner Teil der ambitioniertesten Amateure einen Handbelichtungsmesser ihr Eigen nennen konnte, waren solche Tabellen in Magazinen und Spezialbüchern zu bestimmten Kameras, beispielsweise dem Rolleiflexbuch von Dr. Walter Heering oder auch in allgemeinen Foto-Lehrbüchern abgedruckt.

Da sich ja bekanntlich der Sonnenstand im Laufe des Jahres, ja sogar während des Tages stetig ändert, hatte das Photo-Magazin 1949 für jeden Monat eine andere, jeweils an die "aktuelle Sonne" angepasste Belichtungstabelle beiliegen.

So ist auch vernünftiger Weise in Lindner, Wir fotografieren, Bertelsmann 1957, auf der S. 86 zur Belichtungstabelle noch eine „Zusatztabelle“ abgedruckt, die die Korrekturen für die sich verändernden Sonnenstände angibt, sogenannte „Blenden-Zeit-Sprünge“, um die die Tabellenwerte zu korrigieren sind.


Deutlich praxisgerechter als die Verwendung einer Tabelle ist die KOLUMBUS-Belichtungs-Rechenscheibe aus Aluminium. Berücksichtigt werden hier DIN-Zahl, Monat, Tageszeit, Wetter, Gegenstand. Auf der Rückseite befindet sich außerdem noch ein Tiefenschärferechner.
Sie ist also so zu sagen das „Ei des Kolumbus“!

Kolumbus-Belichtungsrechenscheibe  (d=87 mm, ca. 1950)
aus: Kisselbach, Das Leica-Buch, 1955